GO BOWLING . wie man mit dem Auto alle rauskegelt .

Gestern fand im Rahmen der Season 9 in der LFM GT3 Endurance Series der siebte von zwölf Läufen statt. Dazu ging es in die USA, wo rund 300km nordwestlich von New York eine der schönsten Rennstrecken des Landes liegt. Man könnte sie schon fast als die amerikanische Ardennen Achterbahn bezeichnen, da sie auch in die Natur eingebettet ist und alles bietet, was man auch in Spa Francorchamps vorfindet. Schnelle und bergige Passagen, wenig Auslaufzonen, blinde Kurven und Senken, sowie extrem viel Rennaction. Watkins Glen zählt zweifelsohne zu den Favoriten der Fahrer in ACC.

Für das Intruder Racing Team ging wie eigentlich jede Woche das „Komm rum!“ Duo Jérôme Eckardt / Patrick Defawe im Porsche 991.II GT3 R bei diesem 3 Stunden Rennen an den Start. In der vergangenen Season hatten die Beiden hier mit Platz 4 ihren größten Erfolg gefeiert und hofften, diesmal daran anknüpfen zu können. Die Trainingszeiten unter der Woche stimmten uns positiv, jedoch sollte unsere Stärke erst im Laufe des Rennens zum Tragen kommen: Unsere Konstanz! So war es dann auch nicht verwunderlich, dass aufgrund des stark gestiegenen fahrerischen Niveaus in der Qualifikation eine Zeit von 1:45.063 nur zu Platz 30 von 43 teilnehmenden Teams in Split 3 reichte. Anderseits könnte eine Position weiter hinten auch von Vorteil sein, aber es gab auch schon Pferde, die es ohne Navi bis vor die Apotheke geschafft haben.

Jérôme durfte sich wieder den Start antun und die erste Runde lief für uns erstaunlicherweise sehr sauber ab. Wir konnten sogar bis auf P23 vorrücken, ohne wirklich jemanden anzugreifen. Dann kam Runde 2! Chaos! Man hatte das Gefühl, dass die Jecken los sind! …….. ähm, Moment mal ……. da war doch noch was ….. Ach, ja! …… Alaaf und Helau!!!!! Genau, aber nicht DIE Jecken waren los, sondern wir befanden uns wohl auf der Jahreshauptversammlung der Helden der Langstrecke! Auf der langen Geraden vor der Schikane haben sie es doch tatsächlich geschafft, dass es in Runde 2 zur Massenkarambolage kommt und sogar ein Auto auf dem Dach durch die Gegend rutschte! Hallo? Auf der Geraden?……. Jérôme konnte seine Erfahrung voll ausspielen und bremste rechtzeitig, um ohne Kontakt die Unfallstelle zu passieren. Wir rätseln allerdings noch darüber, ob mangelnde Erfahrung, fehlende Intelligenz oder das Handbuch in einer fremden Sprache dazu führte, dass einige Teilnehmer es nicht schafften die Bremse zu betätigen und daher voll hinein bretterten.

Uns erwischte es jedoch erst Eingangs der Schikane, weil jemand blind wieder auf die Strecke kam und doch glatt drei (3!!!) heranrauschende Autos übersah. Das Resultat: Unser Zuffenhausener Plattkäfer musste mit 30 Sekunden Schaden zur Reparatur in die Box!

Auf P35 liegend kamen wir dann direkt vor der Spitzengruppe wieder auf die Strecke und verloren weitere Zeit wegen der unfreiwilligen Überrundungen. Als unser total genervter und zur „Aggro-Chantal“ mutierter Junior dann freie Fahrt hatte, lief es endlich rund und er bog auf P19 liegend zum wohlverdienten Fahrerwechsel in die Boxengasse ab.

Patrick durfte dann auf P26 wieder rausfahren und hatte seinerseits auch freie Fahrt, bis er sehr lange von den vermeintlich langsameren Fahrern auf P7 und dann auch P6 lange aufgehalten wurde. Trotzdem ist er knitterfrei durchgekommen und hat das Auto auf P13 wieder an Jérôme übergeben. Der wiederum hatte diesmal gar nichts mehr zu Meckern, weil er auf Position 18 wieder ins Rennen eingreifen durfte. Zudem versuchte er immer noch kopfschüttelnd zu verstehen, weshalb wir so weit vorne liegen, bzw. warum so viele Fahrer abfliegen. Außerdem hatte er bis auf wenige Überrundungen total freie Fahrt, die er wie gewohnt mit konstanten Rundenzeiten abspulte. Trotz eines recht ereignislosen Stints, gab es abseits des schnellen grauen Bandes einige tolle Sehenswürdigkeiten. Wir schon erwähnt, waren die Helden der Langstrecke heute zahlreich versammelt und bescherten uns einen recht unterhaltsamen Abend.

Mit noch knapp 45 Minuten Fahrtzeit kam Jérôme dann auf Position 15 zum letzten Fahrerwechsel in die Box und der kleine freche Belgier durfte den Endspurt auf Platz 18 beginnen. Er hatte auch wieder freie Fahrt und trotz einsetzender Dunkelheit konnte er konstant seine Runden drehen. Dann rund eine Viertelstunde vor Schluss gab es einen dieser berüchtigten „Code Braun“ Momente. Souverän auf P13 liegend fuhr Patrick durch die Schikane, als ein gestrandeter Honda meinte, seinen Lieblingsparkplatz genau dann verlassen zu müssen, wenn die IRT Jungs im Anflug sind. Man kann die Situation mit einem Wort beschreiben:

WAAAAAARRRRTTTEEEEEEEEEEEEE!!!!!!!!!! ……..

Nur als kleiner Hinweis: Das war nicht die Reaktion des Fahrers, sondern die des zuschauenden Teamkollegen, der sich kurz danach einen neuen Schlüpper anziehen musste, während der aktive Fahrer ganz gelassen das Hindernis umkurvte und sich genauso wie die Zuschauer im Livestream köstlich darüber amüsierte. Dann kamen die letzten 10 Minuten. P3 und P4 lagen nur 3 Sekunden auseinander und ein Backmarker dazwischen. Alle mit der selben Pace.

Wir schließen auf, werden die ganze Zeit aufgehalten und verlieren fast eine Sekunde pro Runde. Dadurch kann der Hintermann nach seinem sehr späten Boxenstopp wieder aufschließen und jagt uns. Vorletzte Runde: P4 macht einen kleinen Fehler und wir setzen uns daneben. Anstatt uns durch zu lassen, kämpft er mit uns und plötzlich waren wir zu dritt in den Kurven. In der letzten Runde des Rennens dann das große Drama! Wir lagen auf P13 und P14 direkt an der Stoßstange. Auf der Start/Ziel Geraden konnte er sich außen daneben setzen und die erste Kurve gehörte uns. Beim Rausbeschleunigen lagen wir wieder gleichauf und eingangs der Bergauf S-Kurven waren wir auf der inneren und besseren Linie. Leider wollte Patrick dem Gegner genug Platz lassen und kam dabei mit den rechten Reifen auf den Curb. Das ist an dieser Stelle absolut tödlich und das Heck ließ sich nicht lange zum Tanz bitten. Es folgte ein Einschlag rechts in die Leitplanke, gefolgt von einen kleinen Ausflug auf die linke Seite, wo ein erneutes Rendez-vous mit der Streckenbegrenzung das Auto völlig zerstörte.

Der Spruch „angeschlagene Boxer sind am gefährlichsten!“ war hier absolut zutreffend. Das „Komm rum!“, welches 3 Stunden lang im Überfluss vorhanden war, fehlte völlig und selbst geradeaus fahren glich schon einer Mammutaufgabe. Mit dem Lenkrad in einem Winkel irgendwo zwischen Himmel und Hölle schleppte ein sichtlich geknickter alter Mann das Auto in bester Ping-Pong Manier zur Ziellinie und weitere Bandentreffer ließen unser sowieso schon fahruntüchtiges Töff-Töff auch noch erblinden. Ohne Licht und ohne funktionierende Lenkung, aber trotzdem mit einer gewissen Zufriedenheit über das erreichte Ergebnis, rollte Patrick immerhin noch auf P14 über die Ziellinie.

 

Hier dürft ihr euch die Wiederholung unseres Cockpit Streams ansehen: https://www.youtube.com/live/5SDGDtEuEKQ?feature=share&t=2848

Das ist dieser vorhin erwähnte „Code Braun“ Moment. Achtet dabei auf die Facecam unten links! : https://youtube.com/clip/UgkxBJjW2yZ4WqRVKRnkubNRvKwk9_DjDHRG

Es war ein chaotisches Rennen, welches von unverständlichen Fahrfehlern und Abflügen dominiert wurde. Diese haben es uns erst ermöglicht von ganz hinten wieder so weit nach vorne zu kommen. Während Jérôme zu Beginn des Rennens schon aufgeben wollte, bzw. nicht mehr daran glaubte, dass wir weiter nach vorne kommen, hatte Patrick immer nur positive Gedanken und sorgte damit auch wieder für bessere Stimmung bei „Aggro-Chantal“. Leider passierte wieder der typische „Patrick-Moment“ am Ende des Rennens. Allerdings hätten wir diese Position sowieso kaum verteidigen können. Von daher sind wir sehr zufrieden mit der Leistung und hatten trotz der „Helden der Langstrecke – Jahreshauptversammlung“ unseren Spaß. Am kommenden Sonntag tauschen wir die Burger gegen Sushi aus. Dann geht es nach Japan, wo wir die 3H von Suzuka bestreiten werden.

 

Bis dahin wünschen wir euch noch viele Kamelle, einen nicht zu großen Kater, Alaaf und Helau, sowie ganz viel Grip und gebt weiter Gas!

 

Euer Intruder Racing Team.

© Intruder Racing Team

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